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Tales of the Dark Eras $2.99
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Tales of the Dark Eras
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Publisher: Onyx Path Publishing
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 04/18/2017 04:13:44

http://www.teilzeithelden.de/2017/04/18/rezension-tales-of-the-dark-eras-onyx-path/

Es geht gruselig zu, von der Antike bis in die Gegenwart. Der komplementäre Kurzgeschichtenband zu Chronicles of Darkness: Dark Eras entführt den Leser in leicht verdaulichen Happen in vergangene Zeiten. Dabei kommen auch Klischees, Horror und Ideen für Rollenspieler nicht zu kurz.

Mittlerweile ist es ja bereits eine ungeschriebene Regel: Für jedes neue Spielsystem bringt Onyx Path auch eine dazu passende Kurzgeschichtensammlung heraus. Dieses Mal ist dies jedoch aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens handelt es sich bei Dark Eras nicht um ein neues System (wie etwa Demon: The Descent oder Mummy: The Curse), sondern um eine Erweiterung für alle bisher erschienenen Spielsysteme. Und zweitens spielen die Kurzgeschichten nicht in der gruseligen Gegenwart, sondern in der Vergangenheit der Chronicles of Darkness. Die Ankündigung des Bandes dürfte vor allem Lore-Fans der Rollenspielreihe gefallen: „Als Begleitbuch zu Chronicles of Darkness: Dark Eras enthüllt diese Anthologie die Geheimnisse der Mystiker, flüstert von Gerüchten der Toten und wirft ein Licht in die dunkelsten Ecken der Welt.“

Anthologie und Rollenspiel-Erweiterung sind also eng miteinander verknüpft. Aber sind die darin enthaltenen Kurzgeschichten auch spannend zu lesen? Und welchen Mehrwert bieten sie Rollenspielern, die bereits mit der dazugehörigen Reihe vertraut sind?

Die Story(s)

Die insgesamt zehn Kurzgeschichten sind in chronologischer Reihenfolge aneinandergereiht und reichen von der Antike (450 vor Christus) bis in die Gegenwart. Dabei spielt nur eine der zehn Kurzgeschichten, „No Signal“, in der Jetztzeit. Die anderen neun bedienen Epochen, die bereits in Chronicles of Darkness: Dark Eras beschrieben wurden. So handelt etwa die Geschichte „Unmanned“ von Magie, Monstern und Misstrauen in den Kriegen von Alexander dem Großen. Die Geschichte „Of Ravens and Roses“ lässt den Leser in eine Geschichte um Geister, Intrigen und gestohlene Identitäten am Hof des französischen Sonnenkönigs eintauchen.

Besonders stimmig ist „From Galveston“, eine Kurzgeschichte in der Zeit der Großen Depression (1933) im Dust Bowl in den USA. Dort wandert eine junge Prometheanerin, ein künstlich erschaffener Mensch, auf ihrer Suche nach einer Seele. Armut, Hunger und Erfahrungen des großen Weltkrieges mischen sich auf ihrer Reise mit fremden Landstreichern. Mit wenigen brutalen Sätzen („He spat at me. It was dry and pathetic. No water here, either.“) wird eine fast postapokalyptische Szenerie erschaffen, in der Menschen zu Monstern werden können.

Schreibstil

Jede Kurzgeschichte hat nur etwa zehn Seiten Zeit, die eigene Handlung und das fremdartige Setting zu entfalten. So wirken sie häufig wie Ausschnitte spannender Ereignisse und sind deutlich bemüht, auf den wenigen Seiten Spannung, Horror und Überraschungen zu bieten.

Damit ist kaum Zeit für eine ausführliche Beschreibung der Charaktere, und ihre Motive bleiben häufig im Dunkeln – dass einige von ihnen nicht gerade nette Zeitgenossen sind, hilft dem Leser nicht gerade dabei, sich in sie einzufühlen. Die Autoren sparen in der Kürze auch nicht mit Klischees, etwa dem obligatorischen maskierten Straßenräuber im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Immerhin bietet die Anthologie durch die fundamental unterschiedlichen Epochen sehr viel Abwechslung für neugierige und offene Leser.

Ein roter Faden, der alle zehn Geschichten über die gemeinsame gruselige Stimmung der Geschichten hinaus verbindet, fehlt. Nur die Stimmung ähnelt sich klar: Horror. Um den Leser zum Gruseln zu bringen, setzen die Autoren aber nicht auf Schockeffekte und drastische Beschreibungen, sondern Plottwists und Perspektivenwechsel – und bedienen damit genau die Art von psychologischem Horror, um die es in der Rollenspielreihe Chronicles of Darkness eigentlich geht. Jede Geschichte trifft dabei zielsicher das düstere Flair des jeweiligen Spielsystems (und der dazugehörigen Dark Eras-Zeitepoche) und kann damit von Kennern als erweiterter Einleitungstext zum jeweiligen Kapitel in Chronicles of Darkness: Dark Eras gelesen werden.

Leider sind die einzelnen Geschichten aber auch für Kenner der Rollenspiele geschrieben. Wer ohne Vorerfahrungen zu dieser Anthologie greift, dürfte ahnungslos und mit vielen Fragen zurückbleiben, oder muss sich mit seltsamsten Begebenheiten ohne Erklärung und Auflösung abfinden.

Die Autoren

Die Anthologie enthält insgesamt zehn Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren. Dabei sind etwa Pete Woodworth (bekannt vom Fate-Rollenspiel Eagle Eyes), Monica Valentinelli (Firefly Role-Playing Game) und Dennis Detwiller (Wild Talents 2). Der Rest der Autoren hat bisher vor allem für White Wolf und Onyx Path veröffentlicht, darunter etwa Jess Hartley oder Matthew McFarland.

Erscheinungsbild

Der Einband der Anthologie ist in schlichtem Dunkelblau gehalten und zeigt unter anderem einen Hexenjäger, einen römischen Soldaten und eine griechische Dame – Motive, die zwar stimmig sind, aber sich nicht alle in den Geschichten wiederfinden. Eine Wohltat ist das Inhaltsverzeichnis, das nicht nur die Titel der Kurzgeschichten auflistet, sondern diese auch mit dem Namen der jeweiligen Epoche und dem jeweiligen Rollenspielhintergrund ergänzt.

Mit 121 Seiten ist die Anthologie eher ein Leichtgewicht unter den Nachttisch-Schmökern. Das Layout ist sauber und funktional. Textabschnitte sind klar durch drei Punkte getrennt, und große Titel machen klar, wo eine Kurzgeschichte endet und die nächste beginnt. Kurzbeschreibungen aller Autoren im Anhang geben interessante Hintergrundinformationen.

Fazit

Rollenspieler der Chronicles of Darkness finden in Tales of the Dark Eras atmosphärische Hintergrundgeschichten, um sich besser in die historischen, düsteren Epochen einzufühlen; inklusive nicht immer sympathischer Charakter- und Plotideen. Dabei schaffen es die Autoren vor allem stets, den Ton gut zu treffen und die Fremdheit der vergangenen Epochen mit dem Horror des Übernatürlichen zu verbinden.

Für Horror-Fans ohne Rollenspielambitionen und auf der Suche nach einer Bettlektüre sieht das Ganze anders aus. Hier muss die Wertung nach unten korrigiert werden. Ohne Vorkenntnisse bleiben zu viele Geschichten rätselhaft und einige gar unverständlich. Wer sich aber bereits mit den Chronicles of Darkness auskennt, kann bedenkenlos zugreifen.



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